10.10.2019

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LIEBE GIBT'S IM KINO

Hab mich nur mal so ein bisschen umgeseh'n
Und ich hab nicht lang gebraucht um zu versteh'n
Meine Rosabrille ist mir vom Gesicht geknallt
Zieh nun warmen Mantel an denn draussen ist es kalt

Liebe gibts im Kino
Draussen ist der Untertag
Liebe gibts im Kino
Draussen ist der Gulag

Junge aus dem Süden kommt und sucht nun Job
Sowas brauch ich selber und da werd' ich grob
Schmeisst den fremden Lümmel raus und lasst ihn ruhig schrei'n
Keinen Platz für Tiere und nicht für ein Auslandsschweln

Liebe gibts im Kino
Draussen ist der Untertag
Liebe gibts im Kino
Draussen ist der Gulag

Zig Millionen Hungertote auf der Welt
Tut mir leid kann auch nicht helfen hab kein Geld
Ich hab meine eignen Troubles sagt dem Negerkind
Dass die Mördersatelliten gut zum Essen sind

Liebe gibts im Kino
Draussen ist der Untertag
Liebe gibts im Kino
Draussen ist der Gulag

Lisa Tunke schleppt zwei Zentner ins Café
Füttert sich mit Zeitung Kuchen und mit Tee
Und sie sorgt sich um Miss Deutschland und um ihr Gewicht
Den kaputten Typen auf der Strasse sieht sie nicht

Liebe gibts im Kino
Draussen ist der Untertag
Liebe gibts im Kino
Draussen ist der Gulag

Hab mich nur mal so ein bisschen umgeseh'n
Und ich hab nicht lang gebraucht um zu versteh'n

 

DAS MUSS DOCH GEH'N

Ist es nicht wahr
Dass unsre Zeit
Die schönste aller Zeiten war
Ist es nicht so
Dass wir zu zweit
Wie Fackeln brannten lichterloh
Wenn es geschieht
Dass aus der Flut
Die Marsch sich grünes Leben zieht
Und Wenn es stimmt
Dass man die Glut
Sich für ein neues Feuer nimmt

Dann kann auch Liebe aufersteh'n
Das muss doch gehn, das muss doch geh'n

Ich weiss noch wie
Das in uns klang
Die wunderbare Symphonie
Das sollte doch
Ein Leben Iang
So weiterklingen noch und noch
Der Regen fällt
Und steigt doch auch
Zurück zu seinem Wolkenzelt
Und wenn nichts bleibt
Von einem Strauch
Wie der aus seinen Wurzeln treibt

So kann auch Liebe aufersteh'n
Das muss doch gehn, das muss doch geh'n

War ich die Saat
Warst du das Feld
Dann war die Liebe unser Pfad
Das kann nicht sein
Dass unsre Welt
Einfach ertrunken ist im Keim
Wie ein Tyrann
Auch wenn er siegt
Nicht ewig unterdrücken kann
Und wie ein Fluss
Der trocken liegt
Deshalb noch lang nicht tot sein muss

So kann auch Liebe aufersteh'n
Das muss doch gehn, das muss doch geh'n

Und wenn doch jedes Jahr der Frühling neu gewinnt
Und wenn nach jeder Nacht ein neuer Tag beginnt

Dann muss das geh'n, dann muss das geh'n

 

HASS UND KRIEG

Ein hasserfüllter Typ mit Schnurrbart schrie in einem alten Streifen
Und brüllte auf die Menge ein und keiner schien ihn zu begreifen
War wie ein Rattenfänger und spielte blinde Kuh
Und Junge gleich wie Alte die jubelten ihm zu

Und zogen aus um für Ideen andre Völker zu besiegen
Sind dort geblieben wo sie jetzt mit ihren Feinden friedlich liegen
Hatten jeder eine Mutter einen Vater einen Sohn
Einfach für die Katz zu sterben ich weiss nicht blöd ist das schon

Hass und Krieg sind die allerdümmsten Brüder die es gibt
Hass und Krieg sind die allerdümmsten Brüder die es gibt

Gelehrte sagen zwar Geschichte tät' sich niemals wiederholen
Die Rattenfänger trampeln um die Welt auf ihren lauten Sohlen
Und dem andern für Ideen in die Fresse reinzuhau'n
Sowas ist auch heute jedem dir und mir noch zuzutrau'n

Hass und Krieg sind die allerdümmsten Brüder die es gibt
Hass und Krieg sind die allerdümmsten Brüder die es gibt

 

JEANNETTE

Wir hatten uns mal wieder angebrüllt
Für blöde Kleinigkeiten Krieg geführt
Und ich den Kopf mit Wut und Groll gefüllt
Schlug ihr die Tür zu und bin rausmarschiert

Die Zankerei wollt mir nicht aus dem Sinn
So ging ich in die nächste Kneipe rein
Und knallte mich an einen Ecktisch hin
Dort sass ein alter Mann vor seinem Wein
Nicht lang da fragt er was ich hätt
Und so erzähl ich von Jeannette
Und sage mit den Frauen sei doch alles hoffnungslos
Er hört still zu nach einem Weilchen sagt er mir dann bloss

Sei du mal nett
Zu deiner Jeannette
Sei du mal nett
Zu deiner Jeannette

Ich sag ich lieb sie ja ich lieb sie sehr
Sonst wär ich doch schon längstens abgehaun
Nur manchmal macht sies so unendlich schwer
Für nichts bricht Sie dir einen Streit vom Zaun
Ach Opa sicher meinst dus gut
Weisst du denn auch wie weh das tut
Das Unverstandensein die Nörgelei die Diktatur
Sei du mal nett
Zu deiner Jeannette
Sei du mal nett
Zu deiner Jeannette

Hast recht ich bin ein alter Mann
Der viel nicht mehr verstehen kann
Doch junger Freund mit meiner Frau sah ich so oft schon rot
's war meist für nichts und wieder nichts und meine Frau ist tot

Sei du mal nett
Zu deiner Jeannette
Sei du mal nett
Zu deiner Jeannette

 

PAPIERLISCHWYZER

Sali Seppu
Schribsch du heigsch miner Liedle gärn
Nume chämsch de nit ganz drus
Sig i jetze vo Berlin oder ächt vo Bärn

Bin e Dütsche
Mit em Mammi a d Gränze cho
Wos im Norde gchroset het
U di Vater het üs ungärn ineglo

Papierlischwizer
So eine weiss nie rächt wohi n er ghört
No nit vo hie aber o nüm vo dört
Papierlischwizer
Us dene macht me keni Bundesröt

U ds Berlin han i längi Ziti wiu me d Aupe nit cha gseh
Aber z Bärn han i mängisch Heimweh nach dem Kuhdamm und der Spree

Papierlischwizer....

Seppu eis wot dr glich no säge wo de sicher chasch verschtoh
Wenn e Dütsche un e Schwizer mittenang nit chöi us-cho
Wi söu de das zwüsche Russ und Amerikaner go

Papierlischwizer....

 

JOE

Dreihundert Kilo
Komm aus dem Kongo,
Nu heiss ich Joe
Und sitz im Zoo

Zu Haus bei mir im Kongo sind die Wälder grün
Jetzt schau ich nur noch Eisenstäbe an
Als Schaukelstuhl hängt man mir einen Reifen hin
Der übel riechen tut nach Autobahn

Dreihundert Kilo
Komm aus dem Kongo
Nu heiss ich Joe
Und sitz im Zoo

Und juckt es mich mal da wo meine Flöhe sind
Und geh ich dort mit meinen Händen ran
Dann starren alle und es schreit ein Menschenkind
Du Papi schau dir den Gorilla an

Dreihundert Kilo
Komm aus dem Kongo
Nu heiss ich Joe
Und sitz im Zoo

Und wenn ich zärtlich mit der Frau Gorillin bin
Dann gaffen uns die Menschenweiber an
Frau Müller die verliert vor Sehnsucht fast ihr Kinn
Weil was ich mach Herr Müller nicht mehr kann

Dreihundert Kilo
Komm aus dem Kongo,
Nu heiss ich Joe
Und sitz im Zoo

Im Kongo war mein Leben leicht nu ist es schwer
Den ganzen Tag muss ich die Menschen sehn
Und manchmal kann man sich ja fragen wer ist wer
Wie die da so vor meinem Gitter stehn

Dreihundert Kilo
Komm aus dem Kongo,
Nu heiss ich Joe
Und sitz im Zoo

Am Abend wird die Eisentür eingefahrn
Ich bete still in meinem Kämmerlein
Oh Gott wenn Menschen wirklich einmal Affen warn
Lass Affen niemals wieder Menschen sein

 

HEUTE ICH MORGEN DU

Den Mund den hat sie wie verwittert
Die Lippen hat sie ganz zerknittert
Vielleicht vielleicht vom zuviel Küssen
Vielleicht vom zuviel Schweigen müssen
Und dann in einem Altersheim zu stranden
Weil's die Kinder besser fanden

Und mittags in der grossen Halle
Da sitzt man dann vor dem Kantinenbrei
Und löffelt seinen Teller alle
Und Schwester Martha findet nichts dabei

Mit Händen die schon ganz verknorrt sind
Mit Fingern die schon ganz verdorrt sind
Vielleicht vielleicht vom zuviel Schlagen
Vielleicht vom viel zuviel Ertragen
Und dann in einem Altersheim zu stranden
Weil's die Kinder besser fanden

Um drei Uhr ist Besucherstunde
Da kommen die erwachsnen Kinder an
Für ihre obligate Runde
Weil man's Gewissen nicht ersticken kann

Mit Kind und Enkeln mal zu wohnen
Die alten Leute können nicht versteh'n
Die haben noch so Illusionen
Es hat doch keinen Platz wie soll das geh'n

Sie sei lebendig hier begraben
Nein sie begreift nicht was man für sie tut
Wie kann sie so Ideen haben
Und Schwester Martha sagt es geht ihr gut

Den Körper hat sie ganz verbogen
Die Brüste sind wie leergesogen
Vielleicht vielleicht vom zuviel Leben
Vielleicht vom zuviel Leben geben
Und dann in einem Altersheim zu stranden
Weil's die Kinder besser fanden

Und abends dann ein Zweibettzimmer
Schwester Martha schliesst die Türe zu
Die Stimme die verfolgt sie immer
Heut bin ich es aber morgen du
Heut bin ich es morgen du

 

WIEN

Ein bisschen Zufall und ein erstes Mal
Zwei Augenpaare und ein Hoffnungsstrahl
Ein Ja auf einem lächelnden Gesicht
Ein Blick der schon die Welt verspricht

Im Café Sperl ein erstes Rendez-vous
Zwei kleine Braune und ein scheues Du
In einem überfüllten Autobus
Der erste schnell gestohlne Kuss

Und Wien war plötzlich liebestoll
Und jede Strasse war geheimnisvoll
Und Wien was warst du frühlingsgrün
Und jedes Haus war voller Melodien

Ein Sommerabend und ein zweites Mal
Bei Kerzenlicht in einem Esslokal
Und ein geflüstertes ich liebe dich
Ein nicht gesagtes willst du mich

Ein Hinterhof in schwüler Juliluft
Auf der Pawlatschn Oleanderduft
Ein Raum in einem anonymen Stock
Ein Stuhl ein ausgestreifter Rock

Und Wien war ausser Rand und Band
Und jede Strasse nahm dich bei der Hand
Und Wien was warst du sommerblau
Und deine Nächte die waren süss und lau

Doch ist die Zeit ein mieser Dirigent
Und die Geschichte hat kein Happy-End
Und als im letzten Akt der Vorhang fiel
Da war das Märchen nur noch Trauerspiel

Am Michaelaplatz ein letztes Mal
Ein Blick der weiss es gibt kein nächstes Mal
Ein bisschen Wehmut ein verlegner Satz
Und ein Adieu am Heldenplatz

Und Wien was warst du grau und alt
Und deine Strassen wie warn die winterkalt
Und Wien warst wieder einmal Wien
Und jedes Haus stand da mit seinem Spleen

Ein bisschen Zufall und ein erstes, Mal

 

DIE BESTE ZEIT

Mit zwanzig ist die beste Zeit
Da hat man Überfluss an Zeit
Da will man noch der Erste sein
Da will und kann man Weltbesieger sein
Mit zwanzig ist die beste Zeit
Da glaubt man noch an schwarz und weiss
Da glaubt man noch dass man schon weiss
Mit zwanzig ist die dümmste Zeit

Mit vierzig ist die beste Zeit
Da hat man noch genügend Zeit
Man will zwar noch der Erste sein
Den Weltbesieger lässt man nun schon sein
Mit vierzig ist die beste Zeit
Man glaubt zwar noch an schwarz und weiss
Doch glaubt man schon dass man nicht weiss
Mit vierzig ist die dümmste Zeit

Mit sechzig ist die beste Zeit
Da hat man nicht mehr sehr viel Zeit
Da will man nicht mehr Sieger sein
Da will man nur noch nicht der Erste sein
Mit sechzig ist die beste Zeit
Man glaubt nicht mehr an schwarz und weiss
Und glaubt nicht mehr dass man was weiss
Mit sechzig ist die dümmste Zeit

Mit achtzig ist die beste Zeit
Da hat man plötzlich wieder Zeit
Da will man dann der Letzte sein
Da will man nur noch kein Besiegter sein
Mit achtzig ist die beste Zeit
Da sieht man nicht mehr schwarz und weiss
Und weiss nicht mehr dass man nicht weiss
Mit achtzig ist die dümmste Zeit

 

MEIN KONZERT IST ZU ENDE

Mein Konzert ist zu Ende
Bald gehn die Leute wieder heim
Noch klatschen ein paar hundert Hände
Und wieder mal bin ich allein

Ich werd noch wo was Kleines trinken
Und wie jede Nacht in einem fremden Zimmer schlafen gehn
Vielleicht wird jemand mich erkennen
Mir mit einem schüchtern Lächeln seine Freundschaft eingestehn

Mein Konzert ist zu Ende
Bald steht die Bühne wieder leer
Und irgendwie scheint mir als fände
Mein Publikum den Abschied schwer

Bin nur mit meinem Lied gekommen
Meinem Lied das man vergisst das schnell verblüht und wenig gibt
Von Grossem hat es nicht gesungen
Sang für jene die sich lieben und für die die keiner liebt

Mit ein paar wenigen Akkorden
Und mit ein paar kleinen Reimen die ein jeder leicht versteht
Hab ich doch nur ein bisschen Freude
Und hab nur ein bisschen Wehmut in den Saal hineingesät

Mein Konzert ist zu Ende
Bald wird es einsam sein im Saal
Mir ist als flüsterten die Wände
Komm und besuch uns wieder mal
Komm und besuch uns wieder mal

 

© 2019 Stephan Sulke